Jugend debattiert: Berlins beste Stimmen 2026
Im Plenarsaal des Berliner Abgeordnetenhauses wurde nicht über Gesetzesvorhaben gestritten, sondern über Argumente, Haltung und demokratische Kultur: Beim Landesfinale des Wettbewerbs „Jugend debattiert“ sind am 13. März 2026 die Berliner Landessiegerinnen und Landessieger gekürt worden. Sie werden die Hauptstadt am 12. Juni 2026 beim Bundesfinale vertreten – und stehen exemplarisch für eine Debattenkultur, die in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung wichtiger ist denn je.
Vor einem jungen Publikum auf den Sitzen der Abgeordneten diskutierten Schülerinnen und Schüler aktuelle politische Fragestellungen. Bewertet wurden sie von einer Jury nach klaren Kriterien: Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft. Zu den Jurymitgliedern zählte auch Jugendstaatssekretär Falko Liecke.
Demokratie lebt vom Streit – und vom Zuhören
Die Bedeutung des Wettbewerbs wurde bereits durch den Ort des Geschehens deutlich. Wo sonst politische Mehrheiten ringen und Gesetze beschlossen werden, übten sich Jugendliche im argumentativen Wettstreit. Dr. Bahar Haghanipour, Vizepräsidentin des Abgeordnetenhauses, betonte in ihrer Ansprache, dass Streit zur Demokratie gehöre. Unterschiedliche Interessen und Sichtweisen offen auszutragen sei essenziell für das gesellschaftliche Zusammenleben. Wie gestritten werde, entscheide letztlich darüber, wie eine Gesellschaft funktioniere – im Parlament ebenso wie im Schulalltag oder im digitalen Raum.
Auch Jugendstaatssekretär Falko Liecke hob hervor, dass eine lebendige Demokratie Menschen brauche, die zuhören, abwägen und respektvoll diskutieren. Die Teilnehmenden hätten eindrucksvoll gezeigt, wie differenziert und sachlich junge Menschen gesellschaftliche Fragen verhandeln können. Dr. Jan-Jonathan Bock von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, die den Wettbewerb bundesweit mitträgt, verwies zudem auf die Herausforderungen durch Desinformation und zugespitzte Online-Debatten. Formate wie „Jugend debattiert“ vermittelten das Handwerkszeug für faire Streitgespräche auf Augenhöhe.
Diese Themen bewegten Berlins Nachwuchs
In zwei Altersgruppen stellten sich die Finalistinnen und Finalisten anspruchsvollen Fragestellungen, die aktuelle politische Diskurse aufgriffen.
In der Altersgruppe I (Gymnasien 8. und 9. Klasse sowie Integrierte Sekundarschulen und Gemeinschaftsschulen 8. bis 10. Klasse) wurde die Frage debattiert: Soll der öffentlich-rechtliche Rundfunk mehr Randsportereignisse im Fernsehen übertragen? Ein Thema, das Fragen nach medialer Vielfalt, Gebührenfinanzierung und gesellschaftlicher Repräsentation berührt.
Den ersten Platz belegte Georg Schupelius vom Gymnasium Steglitz. Auf Platz zwei folgte Mila Ramirez-Gil vom Käthe-Kollwitz-Gymnasium. Den dritten Rang erreichte Charlotte Baron vom Goethe-Gymnasium, Platz vier ging an Carla Niemann vom Carl-von-Ossietzky-Gymnasium.
In der Altersgruppe II (Gymnasien Jahrgangsstufen 10 bis 12 sowie Integrierte Sekundarschulen und Gemeinschaftsschulen) stand eine demokratiepolitisch brisante Frage im Raum: Soll für Mandatszeiten der Abgeordneten im Berliner Abgeordnetenhaus eine Höchstgrenze gelten? Hier ging es um politische Erneuerung, Erfahrung in Parlamenten und das Spannungsfeld zwischen Kontinuität und Rotation.
Den ersten Platz errang Saskia Schmahl vom Otto-Nagel-Gymnasium. Zweite wurde Magdalena Binninger vom Rosa-Luxemburg-Gymnasium. Amira Boyé vom Carl-von-Ossietzky-Gymnasium belegte den dritten Platz, Lotta Niedlich vom Johann-Gottfried-Herder-Gymnasium den vierten.
Die jeweils zwei Erstplatzierten ihrer Altersgruppe vertreten Berlin beim Bundesfinale im Juni.
Politische Bildung mit Strahlkraft für Berlin
Berlin versteht sich als politische Hauptstadt Deutschlands – und als Stadt der Debatten. Umso bedeutsamer ist ein Wettbewerb, der demokratische Kompetenzen nicht nur theoretisch vermittelt, sondern praktisch einübt. „Jugend debattiert“ ist mehr als ein Rhetoriktraining: Es fördert die Fähigkeit, Argumente abzuwägen, Perspektiven zu wechseln und Mehrheitsentscheidungen zu akzeptieren.
Für die Berliner Schulen bedeutet die Teilnahme auch eine Stärkung politischer Bildung im Unterricht. Angesichts wachsender gesellschaftlicher Spannungen, einer vielfach emotionalisierten Online-Kommunikation und sinkender Wahlbeteiligung in manchen Altersgruppen gewinnt die frühzeitige Förderung von Diskussionsfähigkeit an Gewicht. Wer gelernt hat, strukturiert zu argumentieren und respektvoll zu widersprechen, ist besser gewappnet für politische Teilhabe – sei es in Bürgerinitiativen, Parteien, Vereinen oder im beruflichen Kontext.
Zugleich sendet das Landesfinale ein starkes Signal: Junge Menschen in Berlin setzen sich differenziert mit komplexen Themen auseinander und bringen eigene Positionen reflektiert ein. Für eine Stadt, die von Vielfalt, Migration und unterschiedlichen Lebensentwürfen geprägt ist, ist diese Fähigkeit ein zentraler Baustein des gesellschaftlichen Zusammenhalts.
So ist der Wettbewerb nicht nur eine Bühne für rhetorische Talente, sondern ein Beitrag zur demokratischen Resilienz der Hauptstadt. Wenn im Juni die Berliner Landessiegerinnen und Landessieger beim Bundesfinale antreten, vertreten sie daher nicht allein ihre Schulen – sondern auch eine Debattenkultur, die Berlin dringend braucht.
