Umstrittenes neues Hochhaus am Alexanderplatz

Bebauungsplan Hochhaus Berlin
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Am Alexanderplatz rückt eines der umstrittensten Hochhausprojekte Berlins einen entscheidenden Schritt voran: Für das geplante 150 Meter hohe Gebäude auf dem Grundstück Alexanderplatz 3 hat die öffentliche Auslegung des Bebauungsplans I-B4a-3 begonnen. Damit erhalten Berlinerinnen und Berliner erneut die Gelegenheit, die Planungen einzusehen und Stellungnahmen abzugeben.

Ziel des Verfahrens ist es, die planungsrechtlichen Voraussetzungen für das Hochhaus zu aktualisieren. Die Hines Immobilien GmbH will das Vorhaben umsetzen. Grundlage ist eine Änderung des bisher geltenden Bebauungsplans I-B4a aus dem Jahr 2000 – ein Plan, der seit Jahrzehnten die bauliche Entwicklung rund um den Alexanderplatz ordnen soll und der immer wieder Anlass zu kontroversen Diskussionen gibt.

Verschiebung des Turms innerhalb des Blocks

Im Kern geht es um eine Standortverlagerung: Das Hochhaus soll nicht mehr in der Mitte des Blocks entstehen, sondern auf die bislang unbebaute nördliche Teilfläche des Grundstücks rücken. Dafür werden die festgesetzten überbaubaren Grundstücksflächen und die zulässige Gebäudehöhe angepasst.

Unverändert bleiben hingegen die bisher zulässige Geschossfläche sowie die Regelungen zur Nutzung. Vorgesehen ist weiterhin ein Nutzungsmix, der auch Wohnungen umfasst. Damit bleibt die grundsätzliche städtebauliche Zielsetzung – ein vertikal gemischtes Gebäude in zentraler Lage – bestehen.

Die Frage der konkreten architektonischen Ausgestaltung ist nicht Gegenstand des Bebauungsplanverfahrens, das vor allem die rechtlichen Rahmenbedingungen definiert. Dennoch hat die Verschiebung des Baukörpers potenziell erhebliche Auswirkungen auf Sichtachsen, Verschattung, Erschließung und die Einbindung in das direkte Umfeld.

Technisch komplex: Bauen über der U-Bahn

Eine entscheidende Voraussetzung für das Verfahren wurde bereits 2021 geschaffen: Zwischen der Vorhabenträgerin und den Berliner Verkehrsbetrieben wurde eine Grundsatzvereinbarung abgeschlossen. Sie regelt die Sicherung, Ertüchtigung und Überwachung der U-Bahnanlagen im Bereich des Baugrundstücks sowie die Übernahme der entstehenden Kosten durch die Entwicklerseite.

Der Alexanderplatz ist einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Stadt. Mehrere U-Bahn-Linien kreuzen sich hier, hinzu kommen S-Bahn, Regionalverkehr und Straßenbahnen. Bauliche Eingriffe in diesem sensiblen Umfeld erfordern daher aufwendige technische Sicherungen. Für die Stadt ist die Vereinbarung von zentraler Bedeutung, da sie das Risiko für den öffentlichen Haushalt begrenzen soll.

Beteiligung der Öffentlichkeit bis 24. April

Vom 23. März 2026 bis zum 24. April 2026 können Interessierte die Planunterlagen einsehen und Stellungnahmen abgeben. Die Beteiligung erfolgt digital über die offizielle Beteiligungsplattform des Landes Berlin sowie ergänzend vor Ort bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen.

Die eingehenden Stellungnahmen werden im weiteren Verfahren geprüft und mit öffentlichen sowie privaten Belangen abgewogen. Dieses formelle Beteiligungsverfahren nach Baugesetzbuch ist ein zentrales Element der Bauleitplanung und gibt der Stadtgesellschaft die Möglichkeit, Einfluss auf die Entwicklung prominenter Standorte zu nehmen.

Bedeutung für Berlins Stadtbild

Kaum ein Ort steht so sehr für die städtebaulichen Ambitionen und Brüche der vergangenen Jahrzehnte wie der Alexanderplatz. Schon in den 1990er-Jahren wurde ein Hochhauscluster nach internationalem Vorbild geplant. Mehrere Projekte wurden seitdem angekündigt, verschoben oder neu verhandelt.

Ein 150 Meter hoher Turm würde die Silhouette rund um Fernsehturm, Park Inn und Alexa weiter verdichten. Für Befürworter ist dies ein konsequenter Schritt zur urbanen Verdichtung in zentraler Lage. Sie verweisen auf die effiziente Nutzung knapper innerstädtischer Flächen und die Schaffung zusätzlichen Wohnraums. Kritiker sehen hingegen die Gefahr weiterer Verschattung, Windprobleme im öffentlichen Raum und eine zunehmende Privatisierung prominenter Innenstadtlagen.

Was das Projekt für Berlinerinnen und Berliner bedeutet

Für Anwohnende und Beschäftigte rund um den Alexanderplatz sind vor allem Baustellenmanagement, Verkehrsführung und Lärmentwicklung von Interesse. Angesichts der ohnehin hohen Frequentierung des Quartiers wird die Bauphase eine logistische Herausforderung darstellen.

Langfristig könnte das Projekt jedoch zusätzliche Impulse für den Standort bringen. Neue Büroflächen, Wohnungen und möglicherweise publikumsorientierte Nutzungen im Erdgeschoss könnten zur weiteren Belebung beitragen. Zugleich unterstreicht das Verfahren, dass zentrale Flächen in Berlin weiterhin stark nachgefragt sind – auch in Zeiten konjunktureller Unsicherheiten im Immobiliensektor.

Die aktuelle Öffentlichkeitsbeteiligung markiert somit mehr als einen formalen Schritt im Planungsprozess. Sie steht beispielhaft für die fortlaufende Aushandlung der Frage, wie dicht, wie hoch und wie gemischt das Herz der Hauptstadt künftig sein soll.