Glasfaser für Berlin: Hälfte der Hauptstadt am Netz

Glasfaser für Berlin: Hälfte der Stadt am Netz
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Berlin kommt beim Ausbau seiner digitalen Infrastruktur schneller voran als der Bundestrend. Mehr als jede zweite Wohnung und jeder zweite Gewerbestandort in der Hauptstadt kann inzwischen direkt an das Glasfasernetz angeschlossen werden. Mit einer Glasfaserversorgung von 53,4 Prozent Ende 2025 überspringt Berlin nicht nur erstmals die Fünfzig-Prozent-Marke, sondern liegt auch klar über dem Bundesdurchschnitt von 42,9 Prozent.

Rund 1,2 Millionen Haushalte und Betriebe verfügen damit über einen Glasfaseranschluss. Allein im vergangenen Jahr kamen mehr als 270.000 neue Anschlüsse hinzu. Besonders dynamisch verlief der Ausbau im zweiten Halbjahr 2025: Mit einem Zuwachs von 8,8 Prozentpunkten wurde ein neuer Halbjahresrekord erreicht. Der digitale Umbau der Stadt nimmt damit sichtbar Fahrt auf.

Gigabit-Netz fast flächendeckend

Neben dem reinen Glasfaserausbau hat Berlin auch sein Gigabit-Ziel nahezu erreicht. 96,2 Prozent aller Wohn- und Gewerbeeinheiten sind inzwischen mit gigabitfähigen Anschlüssen versorgt. Dazu zählen sowohl Glasfaseranschlüsse bis ins Gebäude oder in die Wohnung als auch leistungsfähige Kabelnetze mit Downloadraten von bis zu 1.000 Megabit pro Sekunde.

Bereits seit 2024 gilt die Hauptstadt zudem als vollständig mit dem Mobilfunkstandard 5G versorgt. Rechnerisch beträgt die Abdeckung 99,97 Prozent der Fläche. Damit liegt Berlin im bundesweiten Vergleich auf dem zweiten Platz hinter Bremen. Für die Nutzerinnen und Nutzer bedeutet das: mobiles Internet mit hoher Geschwindigkeit ist nahezu überall verfügbar – ob im Wohnquartier, auf dem Arbeitsweg oder entlang der oberirdischen Verkehrswege.

Was der Ausbau für Berlinerinnen und Berliner bedeutet

Für die Stadtgesellschaft geht es beim Glasfaserausbau um weit mehr als schnelles Streaming oder stabile Videokonferenzen. Leistungsfähige Netze sind zu einer Grundvoraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung, Bildung, Verwaltung und Daseinsvorsorge geworden.

Für Unternehmen – vom Start-up in Kreuzberg bis zum Industrieunternehmen in Spandau – sind hohe Bandbreiten und geringe Latenzzeiten Standortfaktoren. Gerade datenintensive Branchen wie die Kreativwirtschaft, Medizintechnik, Forschung oder die Games-Industrie profitieren von stabilen Glasfaserverbindungen. Die Schwelle von 53,4 Prozent zeigt: Berlin entwickelt sich weiter zu einem digitalen Kernraum innerhalb Deutschlands.

Auch für private Haushalte verändert sich der Alltag. Homeoffice, hybrider Unterricht, Telemedizin oder Smart-Home-Anwendungen funktionieren verlässlicher, wenn Glasfaser bis ins Gebäude oder in die Wohnung gelegt ist. In einer wachsenden Metropole, in der Wohnraum oft hoch verdichtet ist, sorgt die leistungsfähige Infrastruktur dafür, dass parallele Nutzungen nicht zum Engpass werden.

Beschleunigte Verfahren als Erfolgsfaktor

Dass der Ausbau 2025 derart an Tempo gewann, hängt nach Angaben der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe wesentlich mit optimierten Genehmigungsverfahren zusammen. Anträge für die Verlegung von Telekommunikationsinfrastruktur wurden in höherer Zahl eingereicht und zügiger bearbeitet.

Ein vollständig digitalisiertes Antragsverfahren, das gemeinsam mit der Verkehrsverwaltung umgesetzt wurde, gilt als zentraler Hebel. Insbesondere die Bezirke trugen mit schneller Bearbeitung dazu bei, dass Bauprojekte rascher umgesetzt werden konnten. Für eine Stadt mit 12 Bezirken, unterschiedlichen Straßenbaulasten und komplexen Leitungsnetzen ist das keine Selbstverständlichkeit.

Verwundbarkeit der Netze zeigt Handlungsbedarf

Der Fortschritt beim Ausbau fällt in eine Zeit, in der auch die Sicherheit kritischer Infrastrukturen stärker in den Fokus rückt. Sabotageakte auf das Stromnetz im September 2025 und im Januar 2026 führten zu großflächigen Stromausfällen – mit direkten Folgen für Festnetz-, Mobilfunk- und Internetdienste.

Die Vorfälle machten deutlich, wie eng Telekommunikations- und Strominfrastruktur miteinander verflochten sind. Ohne Energieversorgung kein digitales Netz. Senat, Netzbetreiber und weitere Partner wollen daher Strategien entwickeln, um die Resilienz der Netze zu erhöhen. Für eine Millionenstadt wie Berlin hat die Aufrechterhaltung digitaler Kommunikation im Krisenfall erhebliche Bedeutung – für Rettungsdienste ebenso wie für Wirtschaft und Bevölkerung.

Zielmarke 2028: flächendeckend Glasfaser

Die Berliner Gigabit-Strategie, beschlossen im Juni 2021, setzt vorrangig auf eigenwirtschaftlichen Ausbau durch Unternehmen. Zu den beteiligten Partnern zählen unter anderem Telekommunikationsanbieter und spezialisierte Glasfaserunternehmen. Das Ziel: eine flächendeckende Glasfaserversorgung bis 2028.

Mit nun 53,4 Prozent ist die Halbzeitmarke überschritten, doch der Weg bleibt anspruchsvoll. Vor allem Randlagen, kleinere Gewerbestandorte oder schwer erschließbare Quartiere müssen in den kommenden Jahren angebunden werden. Ab 2026 sollen zusätzliche Förderprojekte im Rahmen der Gigabit-Richtlinie helfen, verbliebene Versorgungslücken zu schließen.

Für Berlin bedeutet der aktuelle Rekordwert vor allem eines: Die digitale Transformation der Stadt schreitet spürbar voran. Ob der Ausbau weiterhin in diesem Tempo gelingt, wird entscheidend dafür sein, wie wettbewerbsfähig, innovativ und krisenfest die Hauptstadt in den kommenden Jahren aufgestellt ist.