Kriminalität in Berlin: Weniger Taten, mehr Tote

Polizeiauto
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Berlin verzeichnet im Jahr 2025 einen deutlichen Rückgang der registrierten Straftaten – zugleich zeigen einzelne Kriminalitätsfelder besorgniserregende Entwicklungen. Das geht aus der aktuellen Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) sowie der Statistik zur politisch motivierten Kriminalität (PMK) hervor, die von Innensenatorin Iris Spranger und Polizeipräsidentin Dr. Barbara Slowik Meisel vorgestellt wurden. Für die Hauptstadt und ihre wachsende Bevölkerung markieren die Zahlen einen wichtigen Gradmesser für Sicherheit, gesellschaftliche Spannungen und staatliche Handlungsfähigkeit.

Insgesamt wurden 502.743 Straftaten erfasst. Das sind 36.306 Fälle weniger als im Vorjahr, ein Rückgang um 6,7 Prozent. Mit einer Aufklärungsquote von 44,9 Prozent liegt die Gesamtzahl – mit Ausnahme des pandemiegeprägten Jahres 2021 – auf dem niedrigsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt. Für viele Berlinerinnen und Berliner bedeutet das zunächst eine positive Botschaft: Die Kriminalitätsbelastung sinkt.

Rohheitsdelikte und Tötungsdelikte im Fokus

Die sogenannten Rohheitsdelikte, zu denen unter anderem Raub und Körperverletzung zählen, gingen leicht zurück: von 81.460 auf 80.541 Fälle. Anders sieht es bei Mord und Totschlag aus. Hier stieg die Zahl um 41 Prozent auf 165 Fälle. Ein erheblicher Teil – 79 Fälle – steht im Zusammenhang mit einer mutmaßlichen Mordserie, bei der ein Palliativmediziner beschuldigt wird, schwerkranke Patientinnen und Patienten getötet zu haben.

Für die Stadtgesellschaft ist dieser Komplex in mehrfacher Hinsicht einschneidend: Neben dem strafrechtlichen Aspekt berührt er ethische Fragen rund um Pflege, Medizin und Vertrauen in Institutionen. Die hohe Zahl relativiert sich statistisch durch die besondere Fallkonstellation, bleibt aber ein Schockmoment im Sicherheitsbericht.

Sexualdelikte und häusliche Gewalt steigen an

8.652 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung bedeuten einen Anstieg um 15,7 Prozent beziehungsweise 1.177 Fälle. Besonders stark nahmen Delikte im Zusammenhang mit kinder- und jugendpornografischen Inhalten zu. Beim Umgang mit kinderpornografischen Inhalten wurden 1.954 Fälle registriert, ein Plus von 53,6 Prozent. Bei jugendpornografischen Inhalten stieg die Zahl um 86,8 Prozent auf 637 Fälle. Die Zunahme hängt auch mit internationalen Meldesystemen zusammen, die Hinweise an die Berliner Ermittlungsbehörden weiterleiten.

Auch die Zahl der Opfer von Partnerschafts- und Familiendelikten stieg auf 20.160, ein Plus von 4,9 Prozent. 70,5 Prozent der Betroffenen waren Frauen. Neben einer tatsächlichen Zunahme sehen Fachleute hier eine gestiegene Anzeigebereitschaft und größere Sensibilisierung. Mit der Novellierung des Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetzes, die Ende Dezember 2025 in Kraft trat, reagiert das Land unter anderem mit der Möglichkeit einer elektronischen Aufenthaltsüberwachung für Gefährder. Für Betroffene kann dies ein spürbarer Zuwachs an Schutz bedeuten.

Messer- und Schusswaffenkriminalität

Die Schusswaffenkriminalität stieg deutlich auf 1.119 Fälle, ein Plus von 68 Prozent. In 604 Fällen wurde mit einer Waffe gedroht, in 515 Fällen geschossen. Neben einer möglichen realen Zunahme spielt auch eine veränderte, präzisere Erfassung im Polizeisystem eine Rolle. Die Ende 2025 eingerichtete zentrale Ermittlungseinheit „Ferrum“ bündelt die Bekämpfung dieses Phänomens.

Bei den Messerangriffen wurden 3.599 Fälle registriert, ein Anstieg um 5,5 Prozent. Knapp die Hälfte waren Bedrohungen, rund 48,9 Prozent ereigneten sich im öffentlichen Raum. Gleichzeitig zeigen lokal begrenzte Maßnahmen Wirkung: In den neu eingerichteten Waffen- und Messerverbotszonen am Görlitzer Park, Kottbusser Tor und Leopoldplatz gingen die Fallzahlen um 25 bis 45 Prozent zurück. Auch das seit Juli 2025 geltende Waffenverbot im öffentlichen Nahverkehr ist Teil dieser Strategie.

Für Berlin, das stark vom öffentlichen Leben auf Plätzen, in Parks und im Nahverkehr geprägt ist, haben solche Maßnahmen eine hohe symbolische und praktische Bedeutung. Sicherheit im öffentlichen Raum entscheidet wesentlich über das Lebensgefühl in den Kiezen.

Gewalt gegen Einsatzkräfte rückläufig

Positiv ist die Entwicklung bei Angriffen auf Einsatzkräfte. 9.819 Polizistinnen und Polizisten wurden Opfer einer Gewalttat, 7,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch bei Feuerwehr- und Rettungskräften gingen die Zahlen zurück. Für die Funktionsfähigkeit der Stadt ist dieser Trend relevant: Wer hilft, muss geschützt werden.

Politisch motivierte Kriminalität bleibt Herausforderung

Die Zahl politisch motivierter Straftaten stieg leicht auf 8.645 Fälle, während die Gewaltdelikte in diesem Bereich um 7,6 Prozent auf 902 zurückgingen. Auffällig ist der Anstieg antisemitischer Straftaten auf 2.268 Fälle, ein Plus von 24,3 Prozent. Ein Großteil entfällt auf den Bereich „ausländische Ideologie“. Die Entwicklungen stehen unter anderem im Kontext internationaler Konflikte und deren Echo auf Berliner Straßen und im digitalen Raum.

Im Phänomenbereich rechts wurden 3.021 Straftaten registriert, 7,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Gewaltdelikte nahmen deutlich zu, insbesondere Körperverletzungen. Auch im Bereich links stiegen die Fallzahlen erheblich auf 960 Fälle. Die Gewaltdelikte kletterten hier auf 237, insbesondere bei Auseinandersetzungen mit dem politischen Gegner.

Für Berlin als politisches Zentrum Deutschlands sind diese Zahlen mehr als Statistik. Sie spiegeln gesellschaftliche Polarisierung und internationale Konfliktlagen wider, die sich lokal entladen. Das betrifft Versammlungen, Stadtteilfeste, Demonstrationen und damit unmittelbar das öffentliche Leben.

Bedeutung für die wachsende Metropole

Berlin zählt inzwischen mehr als 3,8 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner, hinzu kommen jährlich Millionen Gäste. Die sinkende Gesamtkriminalität ist ein positives Signal für die Lebensqualität und den Wirtschaftsstandort. Gleichzeitig zeigen die Detailzahlen, wie differenziert Sicherheit gedacht werden muss: digital, international vernetzt, sozial sensibel.

Die Herausforderung für Politik, Sicherheitsbehörden und Zivilgesellschaft bleibt, präventive Ansätze, konsequente Strafverfolgung und soziale Maßnahmen miteinander zu verbinden. Die aktuellen Zahlen liefern dafür eine datenbasierte Grundlage – und sie machen deutlich, dass Sicherheit in einer offenen Metropole keine Selbstverständlichkeit ist, sondern eine dauerhafte Gemeinschaftsaufgabe.