Zu viele Taxis: Berlin friert neue Taxi-Genehmigungen ein

Taxi in Berlin
Foto von Waldemar Brandt auf Unsplash

Berlin zieht die Handbremse an: Für zunächst ein Jahr werden keine neuen Genehmigungen für den Taxiverkehr mehr erteilt. Auch Erweiterungsanträge bestehender Unternehmen sind ausgesetzt. Wer neu einsteigen möchte, kann sich auf eine Warteliste setzen lassen. Bestehende Betriebe dürfen im bisherigen Umfang weiterarbeiten.

Die Entscheidung der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt markiert einen deutlichen Eingriff in einen Markt, der lange als liberalisiert und wettbewerbsgetrieben galt. Grundlage ist § 13 Absatz 4 des Personenbeförderungsgesetzes. Demnach können Genehmigungen versagt werden, wenn die Funktionsfähigkeit des örtlichen Taxigewerbes bedroht sei.

Ein Jahr Atempause für ein angeschlagenes Gewerbe

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Innerhalb von gut einem Jahr stieg die Zahl der Taxen in Berlin von 5.400 (Dezember 2024) auf über 6.600 Fahrzeuge (Ende Januar 2026). Gleichzeitig ist die Nachfrage seit Jahren rückläufig. Auch die im Juni 2024 eingeführte Möglichkeit von Festpreisen – von Fahrgästen gut angenommen – brachte bislang keine nachhaltige Belebung.

Das Ergebnis: sinkende Erlöse pro Stunde und eine wachsende Zahl von Betrieben, die nicht kostendeckend arbeiten können. Für viele Unternehmerinnen und Unternehmer ist das wirtschaftliche Risiko erheblich.

Berlin reagiert nun mit einem „Beobachtungszeitraum“. Das Landesamt für Bürger- und Ordnungsaufgaben (LABO) soll die Entwicklung eng begleiten und gegebenenfalls früher gegensteuern, falls sich die Lage stabilisiert.

Warum das Taxengewerbe mehr ist als ein Markt

Taxen sind Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Sie sichern Mobilität rund um die Uhr, auch dort, wo Busse und Bahnen nicht fahren oder an ihre Grenzen stoßen. Für ältere Menschen, Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder bei nächtlichen Wegen sind sie oft unverzichtbar.

Gerade in einer wachsenden Metropole wie Berlin geht es deshalb nicht nur um Wettbewerb, sondern um Verlässlichkeit. Ein Überangebot an Fahrzeugen kann kurzfristig nach mehr Service klingen – langfristig aber dazu führen, dass Betriebe aufgeben müssen und die Versorgungsstruktur brüchig wird.

Auswirkungen auf Fahrerinnen, Fahrer – und Fahrgäste

Für angehende Unternehmer bedeutet der Genehmigungsstopp vorerst Stillstand. Für bestehende Betriebe ist er eine Art Schutzschirm: Der Konkurrenzdruck soll nicht weiter steigen.

Für Fahrgäste ändert sich kurzfristig wenig. Die über 6.600 zugelassenen Taxen bleiben auf Berlins Straßen präsent. Ob sich mittelfristig Wartezeiten, Verfügbarkeit oder Preise verändern, hängt davon ab, ob sich Angebot und Nachfrage wieder annähern.

Die Maßnahme sendet zugleich ein Signal an den Markt: Berlin will verhindern, dass wirtschaftlicher Druck zu systematischen Rechtsverstößen führt. Laut Senatsverwaltung besteht die Gefahr, dass einzelne Unternehmen versuchen könnten, sich durch Regelverstöße Wettbewerbsvorteile zu verschaffen – zulasten derjenigen, die sich an Tarif- und Beförderungspflichten halten.

Zwischen Regulierung und Mobilitätswende

Die Entscheidung fällt in eine Phase tiefgreifender Veränderungen im urbanen Verkehr. Privater Fahrdienste, Carsharing, E-Scooter, der Ausbau des Radverkehrs – all das verändert das Mobilitätsverhalten. Taxen stehen in direkter Konkurrenz zu digitalen Plattformangeboten, die häufig flexibler kalkulieren können.

Der Berliner Senat setzt nun auf Stabilisierung statt weiteres Wachstum. Ein Jahr Beobachtung bedeutet aber auch: Es ist kein endgültiger Kurswechsel, sondern ein Zwischenschritt.

Was die Stadt daraus lernen kann

Die Entwicklung zeigt, wie sensibel urbane Märkte reagieren, wenn Angebot und Nachfrage auseinanderdriften. Sie wirft grundsätzliche Fragen auf:

  • Wie viel Wettbewerb verträgt ein regulierter Verkehrsmarkt?
  • Welche Rolle spielen Taxen künftig im Zusammenspiel mit anderen Mobilitätsangeboten?
  • Wie lassen sich faire Arbeitsbedingungen sichern, ohne Innovation zu bremsen?

Berlin steht hier exemplarisch für viele Großstädte. Der einjährige Genehmigungsstopp ist kein lauter, aber ein deutliches Signal: Mobilität ist mehr als Marktlogik. Sie ist Infrastruktur – und damit auch politische Verantwortung.

Für die Stadt bedeutet das: Stabilität schaffen, ohne Dynamik zu verlieren. Für die Berlinerinnen und Berliner bleibt zu hoffen, dass die Maßnahme dazu beiträgt, ein funktionierendes, verlässliches Taxengewerbe zu sichern – als festen Bestandteil der urbanen Mobilität.