Kreativ- und Digitalwirtschaft treibt Berlin an
Berlin bleibt ein Hotspot für Ideen, Innovation und Unternehmergeist. Das belegt der neue Kreativ- und Digitalwirtschaftsbericht 2025, den die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe vorgelegt hat. Demnach erzielten die Kreativ- und Digitalwirtschaft im Jahr 2024 gemeinsam einen Umsatz von mehr als 56 Milliarden Euro. Damit stehen sie für rund 15 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung der Hauptstadt – und behaupten ihre Rolle als einer der wichtigsten Wachstumsmotoren Berlins.
56 Milliarden Euro Umsatz – ein Schwergewicht der Hauptstadt
Die Zahlen verdeutlichen die wirtschaftliche Dimension: Die Kreativwirtschaft erwirtschaftete im Jahr 2024 rund 41,1 Milliarden Euro Umsatz. In ihr sind 37.102 Unternehmen aktiv, die zusammen 195.326 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte zählen.
Die Digitalwirtschaft kam auf rund 29 Milliarden Euro Umsatz und zählt zu den dynamischsten Feldern des Standorts. Zu ihren Kernbereichen gehören IT-Dienstleistungen, digitale Handelsstrukturen sowie softwarebasierte Geschäftsmodelle. Eine besondere Rolle spielt dabei die Software- und Gamesindustrie mit einem Umsatz von 14,1 Milliarden Euro. Sie wird sowohl der Kreativ- als auch der Digitalwirtschaft zugerechnet, geht in die Gesamtsumme von mehr als 56 Milliarden Euro jedoch nur einmal ein.
Seit 2019 wächst die Branche im Schnitt um rund neun Prozent pro Jahr – und damit deutlich stärker als die Berliner Gesamtwirtschaft. Besonders dynamisch entwickeln sich Teilmärkte, in denen Kreativität und Technologie verschmelzen, etwa die Filmwirtschaft, die Software- und Gamesindustrie, die Designwirtschaft sowie IT-Dienstleistungen.
Von Architektur bis Games: Zwölf Teilmärkte prägen die Stadt
Die Berliner Kreativwirtschaft umfasst zwölf Teilmärkte – von Architektur, Buch- und Pressemarkt über Musik und Film bis hin zu Design und Software/Games. Besonders prägend sind die Software- und Gamesindustrie sowie die Designwirtschaft. Zusammen generieren sie rund 70 Prozent des Branchenumsatzes und zeigen, wie stark digitale Innovation und gestalterische Kompetenz in Berlin ineinandergreifen.
Auch innerhalb der Digitalwirtschaft haben sich klare Spezialisierungen herausgebildet. Technologieorientierte Zukunftsfelder wie Künstliche Intelligenz, Cybersecurity und GovTech gelten als zentrale Wachstumstreiber. Hier entstehen Lösungen, die nicht nur Unternehmen, sondern auch Verwaltung und Stadtgesellschaft betreffen – etwa durch digitale Behördendienste oder intelligente Sicherheitslösungen.
Leuchttürme und Ökosysteme als Standortvorteil
Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey hebt die Rolle Berlins als Zukunftsstandort hervor. Investitionen in Projekte wie das House of Games, das House of Finance and Tech oder den ai_Berlin Hub sollen die internationale Wettbewerbsfähigkeit stärken. Auch das vielschichtige Start-up-Ökosystem der Stadt gilt als entscheidender Standortfaktor.
Berlin profitiert weiterhin von seiner internationalen Anziehungskraft für Talente, Gründerinnen und Gründer sowie Fachkräfte. Clusterbildungen und Kooperationen in den Bereichen Games, Künstliche Intelligenz und Media Tech stärken die Innovationskraft zusätzlich. Die technologischen Potenziale durch Künstliche Intelligenz werden branchenübergreifend überwiegend positiv bewertet – als Werkzeug zur Effizienzsteigerung, aber auch als Impulsgeber für neue Geschäftsmodelle.
Herausforderungen: Solo-Selbständige und Fachkräftemangel
Trotz der starken Kennzahlen bleibt die Struktur der Branche herausfordernd. In vielen Teilmärkten dominieren Solo-Selbständige; in einzelnen Bereichen machen sie bis zu 90 Prozent der Unternehmen aus. Das bedeutet hohe Flexibilität und kreative Vielfalt, aber auch wirtschaftliche Verwundbarkeit.
Branchenverbände verweisen zudem auf einen zunehmenden Fachkräftemangel, wachsende internationale Standortkonkurrenz und fehlende steuerliche Anreizmodelle – insbesondere für Film- und Gamesproduktionen. Während andere europäische Länder gezielt steuerliche Förderinstrumente einsetzen, um Produktionen im eigenen Land zu halten, sehen viele Akteure hierzulande Nachholbedarf. Für Berlin als Medien- und Gamesstandort ist diese Diskussion von strategischer Bedeutung.
Was das Wachstum für Berlin bedeutet
Für die Stadt und ihre Bewohnerinnen und Bewohner hat diese Entwicklung mehrere Ebenen. Erstens sichern die Branchen zehntausende Arbeitsplätze – von hochqualifizierten IT-Fachkräften über Designerinnen und Designer bis hin zu Filmschaffenden und Architekturbüros. Zweitens prägen sie das internationale Image Berlins als kreative, offene und innovationsgetriebene Metropole.
Gleichzeitig beeinflusst das Wachstum auch andere Lebensbereiche. Wo neue Unternehmen entstehen und internationale Fachkräfte zuziehen, steigen Nachfrage und Konkurrenz auf dem Wohnungsmarkt. Kreative Quartiere verändern sich, Gewerbemieten ziehen an, und die Frage nach bezahlbaren Arbeitsräumen für Kunst- und Kulturschaffende bleibt virulent.
Für die Berliner Wirtschaft insgesamt sind die 56 Milliarden Euro Umsatz jedoch ein starkes Signal in wirtschaftlich unsicheren Zeiten. Während traditionelle Industriezweige bundesweit mit konjunkturellen Schwierigkeiten kämpfen, setzt die Hauptstadt verstärkt auf wissensbasierte, technologiegetriebene Branchen. Die Kombination aus Kreativität und Digitalisierung gilt dabei als besonderer Wettbewerbsvorteil.
Der aktuelle Bericht macht deutlich: Die Kreativ- und Digitalwirtschaft ist mehr als ein Imagefaktor. Sie ist ein strukturbildender Kernbereich der Berliner Wirtschaft. Damit diese Dynamik anhält, werden Investitionen in Fachkräfte, innovationsfreundliche Rahmenbedingungen und moderne Förderinstrumente entscheidend sein – nicht nur für Unternehmen, sondern für die Zukunftsfähigkeit der gesamten Stadt.
