Quantencomputing Hackathon in Berlin

Quantencomputer
Von Lars Ploughman auf flickr, CC BY-SA 2.0, Link

Quantencomputing gilt als eine der disruptivsten Technologien unserer Zeit – nun hat Berlin gezeigt, wie konkret ihr Nutzen für die Stadtgesellschaft sein kann. Beim erstmals veranstalteten Berlin Quantum Hackathon 2026 wurden Anfang März im Change Hub Berlin innovative Lösungen für Mobilität und Medizin ausgezeichnet. Initiiert wurde das Format von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe, organisiert von der Kipu Quantum GmbH in Zusammenarbeit mit BERLIN QUANTUM, einer Initiative des Landes Berlin.

Mehr als 180 Bewerbungen gingen für den Hackathon ein, sechs Teams wurden ausgewählt. Fünf Wochen lang arbeiteten sie an realen Herausforderungen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) sowie der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Das Ziel war klar: die enorme Rechenleistung von Quantencomputern in praxisnahe Anwendungen zu überführen und so den Technologietransfer von der Forschung in die Berliner Wirtschaft zu beschleunigen.

Konkreter Nutzen für Mobilität und Gesundheit

Im Zentrum des Hackathons standen zwei sogenannte Challenges mit unmittelbarem Bezug zum Alltag vieler Berlinerinnen und Berliner.

In der Charité-Challenge setzte sich das Team Mayo Clinic durch. Es entwickelte Ansätze, um Gehirnströme in präzisere Bewegungsvorhersagen zu übersetzen. Damit könnten Brain-Computer-Interfaces deutlich verbessert werden – eine Schlüsseltechnologie etwa für die Steuerung von Exoskeletten bei Schlaganfallpatientinnen und -patienten. Gelingt es, neurotechnologische Anwendungen mithilfe von Quantenalgorithmen schneller und genauer zu machen, könnte Berlin als Medizinstandort erheblich profitieren. Die Charité zählt schon heute zu den international renommiertesten Universitätskliniken. Fortschritte in der Neurotechnologie stärken ihre Rolle weiter und eröffnen Perspektiven für neue Therapien und Ausgründungen im Medizintechnikbereich.

In der BVG-Challenge wurden Lösungen zur Optimierung des Personaleinsatzes im öffentlichen Nahverkehr entwickelt. Hier belegten die Teams The Depth Compressors und Beerantum die Plätze zwei und drei. Ziel war es, komplexe Einsatzpläne effizienter zu berechnen und dabei auch die Bedürfnisse der Mitarbeitenden stärker zu berücksichtigen. Gerade in einem angespannten Arbeitsmarkt und angesichts zunehmender Anforderungen an den öffentlichen Verkehr kann eine intelligentere Planung zu mehr Stabilität im Betrieb führen. Für Fahrgäste bedeutet das perspektivisch zuverlässigere Verbindungen, für Beschäftigte potenziell gerechtere und planbarere Arbeitszeiten.

Rechenzeit im Wert von 20.000 Euro

Als Preis erhalten die Gewinnerteams Rechenzeitkontingente auf Quantencomputern im Gesamtwert von 20.000 Euro. Diese Förderung ist mehr als symbolisch: Quantenrechner sind weltweit nur begrenzt verfügbar und ihre Nutzung teuer. Der Zugang ermöglicht es den Teams, ihre entwickelten Prototypen weiter zu verfeinern und möglicherweise in marktfähige Produkte oder Dienstleistungen zu überführen.

Damit setzt Berlin ein deutliches Signal: Die Hauptstadt will nicht nur Standort für Grundlagenforschung sein, sondern auch für die Anwendung und wirtschaftliche Verwertung von Quantentechnologien.

Berlin positioniert sich als Quantenstandort

Rund 20 wissenschaftliche Institute in Berlin befassen sich mit Quantentechnologien, mehr als 30 Unternehmen sind in diesem Bereich aktiv. Mit Initiativen wie BERLIN QUANTUM wird versucht, diese Akteure enger zu vernetzen und ein leistungsfähiges Ökosystem aus Forschung, Start-ups, etablierten Unternehmen und Investoren aufzubauen.

Quantencomputing gilt als strategische Schlüsseltechnologie – nicht nur für einzelne Branchen, sondern für die wirtschaftliche Resilienz und technologische Souveränität insgesamt. Anwendungen reichen von hochpräziser Sensorik über abhörsichere Kommunikation bis hin zu komplexen Material- und Molekülsimulationen, etwa für neue Medikamente, Batterien oder Halbleiter. Dass Berlin diese Zukunftstechnologie gezielt fördert, stärkt den Anspruch der Stadt, Innovationsstandort von europäischem Rang zu bleiben.

Der Hackathon wurde über das Projekt Zukunft der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe sowie mit Mitteln der Europäischen Union aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert.

Bedeutung für die Stadtgesellschaft

Für die Berlinerinnen und Berliner mag Quantencomputing zunächst abstrakt klingen. Doch die ausgezeichneten Projekte zeigen, dass es um sehr konkrete Verbesserungen geht: um effizientere Abläufe im Nahverkehr, um neue Therapien in der Spitzenmedizin, um hochwertige Arbeitsplätze in technologieorientierten Branchen.

Wenn es gelingt, aus Hackathon-Ideen tragfähige Anwendungen und Gründungen zu entwickeln, profitiert die Stadt mehrfach: durch zusätzliche Wertschöpfung, internationale Sichtbarkeit und zukunftssichere Jobs. Gleichzeitig können Innovationen direkt im urbanen Raum erprobt werden – im Klinikalltag der Charité oder im dichten Netz des Berliner Nahverkehrs.

Der Berlin Quantum Hackathon 2026 markiert damit mehr als nur einen Wettbewerb. Er steht exemplarisch für den Versuch, Hochtechnologie aus dem Labor in den Alltag der Metropole zu bringen – und Berlin im globalen Wettbewerb um die Schlüsseltechnologien des einundzwanzigsten Jahrhunderts selbstbewusst zu positionieren.