„Vielfalt gründet“ stärkt Berlins Wirtschaft
Berlin ist seit jeher Einwanderungsstadt – und Gründungsmetropole. Wenn beides zusammenkommt, entsteht ein wirtschaftliches Potenzial, das weit über einzelne Kieze hinauswirkt. Mit der 24. Auflage der Seminarreihe „Vielfalt gründet“ setzt die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe 2026 ein deutliches Zeichen: Menschen mit Migrationsbiografie sollen noch gezielter auf dem Weg in die Selbstständigkeit unterstützt werden. Die mehrsprachige Initiative ist gestartet.
Seit über zwanzig Jahren gehört „Vielfalt gründet“ zum festen Bestandteil der Berliner Gründungsförderung. Das Programm vermittelt praxisnah und kultursensibel die Grundlagen einer Unternehmensgründung und bietet zugleich eine erste strukturierte Orientierung in der komplexen Berliner Förder- und Beratungslandschaft.
Strukturierte Orientierung in einem komplexen System
Gerade für internationale Gründerinnen und Gründer ist das deutsche Gründungsumfeld oft schwer überschaubar: rechtliche Vorgaben, Genehmigungsverfahren, steuerliche Pflichten, Finanzierungsmöglichkeiten und Förderprogramme unterscheiden sich teils deutlich von den Systemen anderer Länder. Hinzu kommen sprachliche Hürden und Unsicherheiten im Umgang mit Behörden.
Hier setzt „Vielfalt gründet“ an. Die eintägigen Seminare führen von der ersten Geschäftsidee über die Erstellung eines Businessplans bis hin zu Finanzierungsfragen, rechtlichen Rahmenbedingungen und administrativen Abläufen. Teilnehmende erhalten zudem einen Überblick über relevante Beratungsstellen, Netzwerke und Förderinstrumente in Berlin. Nach erfolgreichem Abschluss wird ein Teilnahmezertifikat vergeben – ein dokumentierter erster Schritt in Richtung Selbstständigkeit.
Das Angebot richtet sich insbesondere an: Gründungsinteressierte mit Migrationsgeschichte, Geflüchtete Unternehmerinnen und Unternehmer, internationale Gründerinnen und Gründer sowie Gründerinnen und Gründer aus der Kreativwirtschaft.
Durchgeführt werden die Seminare von erfahrenen Gründungsexpertinnen und -experten aus unterschiedlichen Sprach- und Fachkontexten, in enger Zusammenarbeit mit Berliner Community-Organisationen. Dieser Ansatz schafft Vertrauen und ermöglicht eine zielgruppengerechte Ansprache.
Mehrsprachigkeit als wirtschaftlicher Schlüssel
2026 wird die Seminarreihe in Deutsch, Englisch, Arabisch, Farsi, Französisch, Türkisch, Polnisch, Ukrainisch, Kurdisch, Spanisch, Vietnamesisch, Russisch sowie erstmals auch in Portugiesisch angeboten. Damit reagiert das Programm auf die sprachliche Vielfalt der Stadt und aktuelle Migrationsbewegungen.
Die Mehrsprachigkeit geht dabei über reine Übersetzungsleistungen hinaus. Sie signalisiert Anerkennung und senkt Hemmschwellen – ein entscheidender Faktor, wenn es darum geht, unternehmerisches Potenzial frühzeitig zu aktivieren. Vielen Teilnehmenden fehle es nicht an Ideen oder Erfahrung, sondern am Zugang zu Informationen und Netzwerken, erklärt die langjährige Gründungsexpertin Gönül Nar von der Gesellschaft für Urbane Wirtschaft, Beschäftigung und Integration e.V. (GUWBI). Die Seminarreihe schaffe einen strukturierten Einstieg in die Berliner Gründungslandschaft und baue Unsicherheiten im Verfahren ab.
Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Berlin
Migrantische Unternehmerinnen und Unternehmer sind längst ein tragender Bestandteil der Berliner Wirtschaft. Ob im Einzelhandel, in der Gastronomie, im Handwerk, in der Gesundheitswirtschaft oder in der Tech- und Kreativszene – sie schaffen Arbeitsplätze, beleben Kiezstrukturen und erschließen internationale Märkte. Viele bringen unternehmerische Erfahrung aus ihren Herkunftsländern mit und verbinden diese mit neuen Perspektiven.
Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten erweist sich diese Vielfalt als Stabilitätsfaktor. Unterschiedliche Geschäftsmodelle, transnationale Netzwerke und interkulturelle Kompetenzen stärken die Resilienz der Stadt. Neue Unternehmen zahlen Steuern, bilden aus, schaffen Beschäftigung und tragen dazu bei, dass Quartiere lebendig bleiben.
Die gezielte Förderung von Gründerinnen und Gründern mit internationaler Geschichte ist daher nicht nur integrationspolitisch relevant, sondern ein klarer wirtschaftspolitischer Baustein. Sie zahlt auf Innovationskraft, Fachkräftesicherung und Internationalisierung ein – Themen, die für Berlin als europäische Metropole von zentraler Bedeutung sind.
Niedrigschwelliger Zugang zur Selbstständigkeit
Ein wesentliches Merkmal von „Vielfalt gründet“ ist der niedrigschwellige Zugang. Als eintägiges Einstiegsformat bietet die Reihe eine erste fundierte Orientierung, ohne sofort langfristige Verpflichtungen einzugehen. Für viele Interessierte ist dies ein wichtiger Schritt, um die Machbarkeit einer Geschäftsidee realistisch einschätzen zu können.
Zugleich fungiert das Angebot als Türöffner: Wer die Grundlagenseminare absolviert hat, kann gezielter weiterführende Beratungen, Coachings oder Förderprogramme in Anspruch nehmen. So entsteht eine Wirkungskette innerhalb der Berliner Gründungsförderung, die von der ersten Idee bis zur nachhaltigen Unternehmensentwicklung reicht.
